Die meisten einschlägigen Reiseführer vermelden, dass sich nach Carriacou höchstens ein Ausflug lohnt: Morgens mit der Fähre hin, am späten Nachmittag wieder zurück. Stattdessen wird Grenada, die Hauptinsel, in aller Ausführlichkeit gelobt, nicht zuletzt der "Grand Anse", wo sich die Hotels mit Discotheken und Einkaufsschuppen abwechseln. Erwähnenswert für Carriacou gelten meist nur Sandy Island, das provinzielle Flair und die vielen Rumshops.

Vieles können Sie glauben. Gemessen an jenen Orten, zu denen Touristen üblicherweise pilgern, ist auf Carriacou tote Hose. In allerlei Hinsicht geht es hier tatsächlich locker ab und Rum können Sie an jeder Ecke kaufen. Auch den berüchtigten "Jack Iron" (liebevoll kurz "Jack" genannt), der wohl eher für medizinische Zwecke taugt, aber trotzdem in rauhen Mengen getrunken wird.

 

Infos/Links

www.carriacoupetitemartinique.com

www.grenadagrenadines.com

    Vergessen können Sie allerdings die nächsten paar Jahre die Postkartenidylle von "Sandy", von der nach zwei Hurricans und einigen Tropenstürmen in den letzten Jahren nicht viel übrig geblieben ist. Die Insel ist ziemlich kahl geworden. Aber das ändert natürlich nichts am Robinson-Feeling, das jeden befällt, der über den weißen Sand schlendert. Und die Fische, die sich in den Riffen rings um diese Insel tummeln, machen jeden Ausflug lohnend. Schattige Plätzchen sind derzeit noch Mangelware, aber inzwischen wurden etwa 200 Palmen wieder angepflanzt. "Wir haben sie ausgegraben und mit einem Kuhfladen auf Sandy wieder eingegraben", erzählt Marius begeistert.
 
  Aber eigentlich können Sie auch das mit der "toten Hose" vergessen. Erstens, weil sich nachweislich einer der Jungs von den "Toten Hosen" hier schon vom Punk erholt hat. Zweitens: Wer sich vom Sonnenbad am Strand aufraffen kann, wird schnell feststellen, dass dauernd an jeder Ecke was los ist. Genießen Sie den "stickman" freitags abends in der Tyrell Bay, beobachten Sie das Geschehen bei der Moonshine-Party am anderen Ende des Strandes, schauen Sie mal bei Cobra´s Snake Pit Bar vorbei oder legen Sie sich einfach in die Hängematte bei "Banana Joe´s Bamboo Brunch Bar" und warten darauf, dass das Dream Team wieder angeknattert kommt. Die Diskussionen über die Verteilung der Beute des Fischzugs können sich hören lassen. Friedlich geht´s eigentlich bloß dann zu, wenn die Jungs nichts gefangen haben. Aber vielleicht sind sie dann auch nur kleinlaut.
   
    Man muss in Carriacou nicht die Flaschen buckeln, um sich wie Mike Nelson oder Hans Hass fühlen zu dürfen (das ist natürlich nur für Ü 50 verständlich). Wenn Sie Glück haben, begegnen Sie mit Schnorchel und Maske auch schon mal direkt am Strand einem Rochen oder gar einem Barracuda. Aber keine Bange, der tut Ihnen nichts. Normalerweise müssen Sie sich für solche Begegnungen auch von einem der freundlichen fishermen rausfahren lassen, entweder zu einer der Inseln oder zum "Anse la Roche". Und muss es denn unbedingt ein Barracuda sein? Klar, damit kann man zu Hause angeben, aber die roten Soldatenfische, die Papageien- und Doktorfische, die Juwelenbarsche und Schnapper sind wunderschön, und eine kleine Muräne ist auch schon ganz schön gruselig. Und das alles können Sie schon in den kleinen Riffen 200 Meter vom Strand entfernt bewundern.
 


 

Aber wo wirklich was los ist - das ist draußen auf dem Meer. Wenn Sie gut drauf kommen, werden Sie spätestens nach ein paar Tagen merken, dass Einstein völlig recht hatte: Die Zeit verändert sich. Sie liegen gemütlich am Strand, lesen ein Buch und nichts passiert. Aber genau das ist ja möglicherweise der Grund, warum Sie hierher gekommen sind. Sie schauen zwischendurch mal raus aufs Meer, bemerken am Horizont ein Schiff, das über das Wasser kriecht und wenden sich wieder Ihrem Buch zu. Klar, nach ein paar Minuten kucken Sie noch mal nach, was denn da inzwischen passiert ist (so sind wir's gewöhnt, man will ja nichts verpassen) und das Schiff ist ein Stück weitergekrochen. Das wiederholt sich, aber irgendwann einmal ist es verschwunden. Und Sie wundern sich, wo es denn abgeblieben ist - so schnell ...

Wenn Sie so weit gekommen sind, dann sind Sie tatsächlich angekommen. Nicht mit der Osprey, nicht mit dem Flugzeug, nicht mit der Yacht - dann sind Sie selbst angekommen.




   
   
...... schlafen